Umbau Palast der Republik zum WeltKulturPalast

Trotz der drohenden Abrissmaßnahmen des Palastes haben wir uns mit naheliegenden, pragmatischen Möglichkeiten des Umbaus und der Weiternutzung des Rohbaus auseinandergesetzt. Unser Interesse gilt hierbei eher einem alternativen Struktur- und Kalkulationsmodell als der Umsetzung einer architektonischen Haltung. Das Projekt formuliert keinen Anspruch auf Dauerhaftigkeit, sondern soll eine sinnvolle Alternative zum Abriss aufzeigen und somit die über Jahrzehnte drohende Brachfläche am Schlossplatz vermeiden.   

Das Konzept „WeltKulturPalast“ sieht mehrere unterschiedliche Nutzungsbereiche vor:

In der Eingangsachse ist ein transparenter, über alle Geschosse reichender Ausstellungshof mit Verteil- und Leitfunktion vorgesehen. Rund um einen neuen Vortrags- und Konzertsaal im Bereich der ehemaligen Volkskammer entsteht  ein „Labor für Gegenwartskunst“ mit multifunktionalen Räumen für experimentelle und dynamische Kunstprozesse. Der größte Teil des Gebäudes wird zu Ausstellungszwecken genutzt. In Form von Schaudepots könnten sowohl die Sammlungen der Dahlemer Museen und zeitweilig auch Bestände der Museumsinsel untergebracht und der Öffentlichkeit präsentiert werden. Im Erdgeschoss und im Bereich der Außenterrassen werden Shop- und Gastronomieflächen ausgewiesen. Insgesamt lassen sich im umgebauten Palast etwa 106.000 qm Fläche realisieren. Dies ist nahezu die doppelte Fläche des ehemaligen Stadtschlosses.
Die archaische Atmosphäre des Rohbaus kombiniert mit zurückhaltenden architektonischen Interventionen lässt Parallelen zum Palais de Tokyo oder Centre Pompidou zu und verspricht einen kommunikativen, zeitgemäßen Kulturbetrieb. Der verbliebene Rohbaukörper stellt einen beträchtlichen Wert dar, den man mit Blick auf die derzeitige finanzielle Situation von Bund und Land nicht ohne weitere Betrachtung abreißen kann. Nach unserer Schätzung betragen die Rohbaukosten des Palastes, würde man ihn heute errichten etwa 110 Mio. Euro. Davon entfallen alleine 30 Mio. Euro auf Erdarbeiten, Wasserhaltung, Gründung und Errichtung der Bodenplatte. Hinzu kommen die bereits zur Asbestsanierung investierten 85 Mio. Euro sowie die offiziell benannten Abrisskosten von mindestens 20 Mio. Euro (Ohne Abriss der Gründungswanne).

Die Machbarkeitstudie zum Wiederaufbau des Schlosses sieht einen möglichen Baubeginn bereits  2007 vor. Nach unserer Einschätzung ist allerdings bei geregelter Finanzierung mit einem Planungs- und Ausschreibungsvorlauf bis 2012 zu rechnen. Nach mindestens 6 Jahren Bauzeit könnte das Humboldtforum frühestens 2018 (bei handwerklicher Fassadenrekonstruktion auch deutlich später) bezogen werden. Ein realistischer Eröffnungstermin dürfte frühestens im Jahr 2020 liegen. Nach dem Abriss des Palastes wird die Mitte Berlins dementsprechend über lange Zeit durch eine Stadtbrache bzw. Grossbaustelle gekennzeichnet sein.
Der Palastumbau kann in 2-3 Jahren abgeschlossen sein, da der gesamte Rohbau bereits vorhanden ist und nach der Fassadeninstandsetzung die Ausbauarbeiten unabhängig von der Witterung ausgeführt werden können. Als Investitionsbedarf haben wir bei reduzierten Eingriffen in den Bestand, sichtbarem Erhalt der vorhandenen Bausubstanz und Teilklimatisierung entsprechend Museumsstandard 60 Mio. Euro kalkuliert. Dies entspricht weniger als 10% der zur Rekonstruktion des Schlosses veranschlagten Summe.

Der „WeltKulturPalast“ wäre ein bescheidener Eingriff, der Berlin zurzeit besser zu Gesicht stände, als ein überzogenes Prestigeprojekt.

Dipl. Ing. C. Anderhalten, Architekt BDA
Anderhalten Architekten

Nachtansicht
Nachtansicht

Tagansicht
Tagansicht

Foyer
Foyer

Schaudepot
Schaudepot

Konzertsaal
Konzertsaal

Skulpturensaal
Skulpturensaal

Fassadenausschnitt
Fassadenausschnitt

Der Tag danach
Der Tag danach

Erdgeschoss
Erdgeschoss

1. Obergeschoss
1. Obergeschoss

2. Obergeschoss
2. Obergeschoss

Schnitt
Schnitt